Zweiter Eintrag - Ich bekam Hilfe

Nun war es endlich soweit. Ich wartete im Behandlungszimmer. Tausende Fragen gingen mir durch den Kopf. Wie wird meine Ärztin reagieren? Was wird sie sagen? Ich kann einfach nicht mehr - doch vielleicht schickt sie mich trotzdem arbeiten. Wie soll ich nur mein Anliegen formulieren? Was hab ich genau? Wie fühl ich mich....?

Nun kam sie auch schon ins Behandlungszimmer. Alle meine Gedanken waren weg. Mein Kopf war leer. Sie sah mich an und bemerkte sofort, wie schlecht es mir ging. "Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte sie mich sehr einfühlsam, aber dennoch forsch. Ich holte tief Luft und wollte antworten, doch dann schossen die Tränen aus den Augen und ein unheimlich dicker Kloß ermöglichte es mir nicht auch nur einen Ton zu sagen. "Beruhigen Sie sich, ich habe Zeit.", sie hielt mir eine Box Taschentücher hin. Nun kamen doch einzelne Wörter aus mir raus. Sofort wusste sie, was zu tun ist. "Leider bin ich kein Facharzt und kein Therapeut, aber hier habe ich eine Liste von Kollegen. Versuchen Sie es dort und zeitgleich in **** in der Klinik. Dort bekommen Sie spätestens nach 14 Tagen einen Termin." Ich schaute sie nur fragend an, wie ein kleines Kind. Was sollte ich denn dort? In der Klinik?! Klinik?-Moment mal, ich bin doch nicht verrückt. Nicht irre! "Aber wieso Klinik, ich bin doch nicht verrückt. Was machen die dort? Komm ich dann in eine geschlossene Klinik?"

Plötzlich hatte ich noch mehr Fragen. "Nein, keine Sorge. Dort sind einige Psychologen und Therapeuten. Diese reden mit Ihnen und besprechen, was Sie tun können. Vielleicht bekommen Sie auch ein Medikament.", sagte sie. "Medikament? Das will ich auf keinen Fall.", wiedersprach ich sofort. "Keine Sorge, gehen Sie dort hin. Den ersten Schritt haben Sie getan. Sie sind zu mir gekommen. Und wegen der Medikamente machen Sie sich auch keine Sorgen, jedem 4. Patient verschreibe ich Antidepressiva und wenn Sie keins nehmen möchten, dann müssen Sie das auch nicht."

Nun sprach mir die Ärztin noch Mut zu, dann schrieb sie mich erstmal für 2 Wochen krank. Ich bedankte mich und fuhr nach Hause. Viele Gedanken kreisten mir in meinem Kopf herum. Nach eine paar Stunden packte ich allen Mut zusammen und telefonierte die komplette Liste mit den Therapeuten ab und zum Schluss in der Klinik. Die Therapeuten hatten natürlich so kurzfristig keine Termine mehr frei. Aber in der Klinik bekam ich für die darauffolgende Woche einen Termin.

Ein komisches Gefühl. Nun saß ich da so auf der Couch und fühlte mich leer. Sollte ich meinen Mann anrufen? Sollte ich ihm alles erzählen? Na klar sollte ich! Ich griff zum Telefon und rief ihn an, erzählte ihm alles und hoffte auf Zuspruch. Aber was kam von ihm?? "Ja bleib mal paar Tage zu Hause und ruh dich aus. Mund abputzen und weiter gehts!", sagte er mit kräftiger Stimme. Ich war schockiert. Was soll das bitte für ein Spruch sein? - Mund abputzen und weiter gehts?!

Am nächsten Tag lebte ich einfach so in den Tag hinein. Mal schlief ich auf der Couch für 20 Minuten ein, mal war ich wach. Mal waren die Gedanken klar, mal waren gar keine Gedanken da. Doch dann klingelte mein Handy, die Klinik war am Telefon und fragte mich ob ich schon am nächsten Tag kommen könnte. Natürlich konnte ich! Etwas erleichtert war ich darüber, dass ich nicht mehr so lange warten mussten. Etwas Hoffnung hatte ich, mich könne vielleicht jemand verstehen und würde mir zuhören. Etwas ängstlich war ich, wie die Leute dort reagieren würden. Was wohl dort mit mir gemacht wird? Was für Fragen muss ich beantworten? Gibt es überhaupt eine Lösung für mein Problem? Oh nein, was ist wenn sie mich direkt dort behalten? Soll ich wirklich die ganze Wahrheit sagen?

Tausende Fragen und keine Antworten. Denn die gab es erst am nächsten Tag.

(Morgen lest ihr wie das Gespräch in der Klinik verlief)

26.1.17 21:55

Letzte Einträge: 25. Januar 2017 Erster Eintrag, Vorstellung in der Klinik, Der erste Tag in der Klinik , Die erste Einzeltherapie

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