Vorstellung in der Klinik

Nun war es soweit. Ich fuhr in die Klinik. Ganz alleine. EIn mulmiges Gefühl hatte ich. Was wohl auf mich zukommen würde? Noch dazu kannte ich mich dort nicht aus.

Auf dem Gelände der Klinik angekommen, wusste ich nicht wo ich hin musste. Natürlich klappte es auch erst nach dem dritten Anlauf, ich war endlich in dem richtigen Gebäude angekommen.

Freundlich wurde ich begrüßt und wurde direkt mit einem Sechsseitigen Fragebogen im Wartezimmer platziert. Dort war ich nicht alleine. Ich schaute mich um. Das Wartezimmer war sehr klein, dennoch hell und freundlich eingerichtet. Gegenüber von mir saß ein Mann. Ich schätze so Mitte/Ende 30. Er war bestimmt Bankkaufmann oder so etwas in diese Richtung. Er sah ganz normal aus, dachte ich.

Neben mir saß eine Frau, Anfang 50. Sehr adrett gekleidet. Sie könnte Lehrerin sein. Sie sah auch ganz normal aus, dachte ich. Ich weiss bis heute noch nicht warum, aber diese zwei Menschen nahmen mir meine Angst. Sie waren genauso wie ich.

Endlich war es soweit, ich wurde von der Psychologin aufgerufen und sie nahm mich mit in ihr Zimmer. Es war ein heller großer Raum, mit 2 kleinen Bäumchen in einem Topf, eine kleine Sitzecke und ihr Schreibtisch. Natürlich ein Bücherregal und die klischeehafte Uhr, bzw. Wecker durfte nicht fehlen. Sie erklärte mir, wie lange wir Zeit haben und fragte mich eine Dinge, wie z.B.: Wieso ich dort bin? Wie es mir geht? Wie ich merkte, das etwas nicht stimmt? Welche Symptome ich habe? Was der Auslöser für meine Gedanken und mein Handeln waren?

Nun beantwortete ich ihr all diese Frage. Das war gar nicht so schwer, dachte ich. Doch das waren ja nur ein paar allgemeine Fragen. Jetzt ging es etwas ins Detail. Ich erzählte ihr mein ganzes Leben in Kurzform (dazu demnächst mehr). Sie schien etwas schockiert zu sein, zugleich wollte sie mich aber ermutigen und sagte "Nun, wissen Sie, es gibt Patienten mit weniger Schicksalsschlag und diese liegen Heroinabhängig in der Ecke." Zuerst wusste ich nicht, ob mir dieser Satz Mut machen sollte oder was genau sie damit bezwecken wollte. Dennoch ging mir dieser Spruch noch sehr lange nach.

Gerade war ich so circa bei meinem 20. Lebensjahr angekommen, da stoppte sie das Gespräch. "Es tut mir Leid, aber hier müssen wir nun unterbrechen. Unsere Zeit ist zu Ende. Nach allem was Sie mir erzählt haben, würd ich Ihnen eine Tagesklinik empfehlen. Dort sind Sie von morgens 8Uhr bis abends 16Uhr und dann können Sie wieder heim. Ihr Trauma wird dort intensiv mit Ihnen aufgearbeitet. Wie hört sich das für Sie an?" Wie hörte sich das an? Seltsam. Eine Klinik?? Ich nickte.  "Sie müssen sich nicht sofort entscheiden. Es gäbe auch noch die Variante der stationären Aufnahme. Außerdem sollten Sie sich überlegen ob Sie in dieser schweren Krise nicht doch für ein Medikament entscheiden. Wie gesagt, das alles überlegen Sie sich. Ich gebe Ihnen meine E-Mail Adresse und meine Telefonnr. Melden Sie sich einfach bei mir."

Puh, das waren harte 45 Minuten. Was war denn das? Ich machte mich auf den Weg nach Hause und schon gingen die Gedanken durch meinen Kopf. Was wohl gut für mich sein könnte? Ziemlich schnell war mir klar, eine Klinik hört sich gar nicht so schlecht an. Zu Hause angekommen, rief ich die Psychologin an und sagte für die Tagesklinik zu. Mit meinem Mann hatte ich alles telefonisch besprochen. Begeisterung war wohl irgendwie anders. Wahrscheinlich hoffte er auch, dass ich mich bis zu seiner Rückkehr umentschieden hätte. Aber es kam ganz anders, als er es sich erhoffte. Freitags rief ich nochmals die Psychologin an und erklärte mich damit einverstanden meine Behandlung stationär durchzuführen.

Es ging plötzlich alles ganz schnell und ich bekam für 1,5Wochen später schon einen Platz in der Klinik. Mein Mann war mittlerweile auch wieder zu hause. Er redete kaum mit mir, wenn dann nur kurz, oder wir stritten uns.

Nun war es endlich soweit. Es war Mittwoch. Der Tag der Aufnahme in der Klinik. Nachts hatte ich kaum geschlafen. Am Morgen hatten mein Mann und ich wieder einen Streit und fahren wollte er mich auch nicht. Eine gute Bekannte bot mir an, mit mir dorthin zu fahren. Sie war meine Rettung. Auf dem Weg dorthin, liefen mir Tränen über die Wangen. War das alles richtig was ich machte? Ich war sauer und enttäuscht auf meinen Mann. - Er wahrscheinlich auch auf mich.

Dort angekommen, verabschiedete ich mich und lief mit meinem Koffer, ganz alleine die Treppen hoch auf die Station.

(morgen geht es weiter, mit der Aufnahme und den ersten Eindrücken)

27.1.17 23:34

Letzte Einträge: 25. Januar 2017 Erster Eintrag, Zweiter Eintrag - Ich bekam Hilfe, Der erste Tag in der Klinik , Die erste Einzeltherapie

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